Seidengarn im Jim Thompson Haus

Jim Thompson Haus Bangkok

Der US-amerikanische Unternehmer Jim Thompson (James H. W. Thompson) verschwand am Ostersonntag im Jahr 1967 spurlos im Dschungel Malaysias. Sein aufregendes Leben und sein mysteriöses, nie aufgeklärtes Verschwinden bieten viel Stoff für Gerüchte und Verschwörungstheorien.

Schild am Eingang des Museums

Die Spekulationen reichen von Mord oder Selbstmord über Entführung oder tödliche Begegnung mit einem Tiger bis hin zu dem Verdacht, er sei mit einer neuen Identität untergetaucht.

Jim Thompsons Lebensgeschichte

James H. W. Thompson wurde am 21. März 1906 in Greenville, US-Bundesstaat Delaware, geboren. Er wuchs in einer bürgerlichen Familie auf, die in der Textilindustrie tätig war.

Ausbildung und militärischer Werdegang

Nach dem Studium arbeitete er bis 1940 als Architekt in New York, meldete sich dann freiwillig zum US-Wehrdienst und war während des Zweiten Weltkriegs beim Geheimdienst (Office of Strategic Services – OSS) tätig. Der militärische Dienst führte ihn nach Nordafrika, Europa und Asien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg war Jim Thompson Offizier eines Nachrichtendienstes in Bangkok. Ende 1946 musste er zu seiner Entlassung aus der Armee in die USA zurückkehren, kam aber nach Thailand zurück, um sich in Bangkok dauerhaft niederzulassen.

Unternehmertum in Bangkok

In Bangkok beteiligte er sich zunächst an verschiedenen Projekten. Unter anderem soll er versucht haben, sich bei der Renovierung des weltberühmten Oriental Hotels, das im Zweiten Weltkrieg von der japanischen Armee besetzt und beschädigt worden war, zu beteiligen.

Seidenweberei - Vorführung im Jim Thompson Museum

Schon herkunftsmäßig faszinierten ihn Textilien. So weckte die Herstellung handgewebter Seide, ein damals fast ausgestorbenes Handwerk, sein Interesse. Er verhalf der alten Kunst der Seidenweberei zu neuer Blüte. Seidenproduktion war damals noch kein kommerzieller Faktor in Thailand. Seide für traditionelle Zeremonien und für Eigenbedarf wurde in Familienbetrieben hergestellt.

Dank seines unternehmerischen Könnens und seiner großen Begabung als Textildesigner trug Jim Thompson entscheidend zu Revolutionierung und Wachstum der thailändischen Seiden- und Textilindustrie bei. Die auf Thompson zurückgehende Kombination von traditioneller Weberei mit industriellen Fertigungsstandards konnten Qualität und Volumen der Seidenproduktion enorm erhöhen.

Designvorlagen

Traditionelle asiatische Designs (er übertrug Elemente asiatischer Antiquitäten auf das Design der Seidenmaterialien), moderne Farbstoffe, strenge Qualitätskontrollen und gute Bezahlung der schon bald hundert Arbeiter machten Thailands Seidenindustrie zu einer Erfolgsgeschichte.

Ende 1948 gründete Jim Thompson die »Thai Silk Company Limited (Ltd.)«. Viele Weberfamilien siedelte er gegenüber seinem 1959 erbauten Haus an. Jim Thompson verkaufte die Textilien in die USA, nach Europa und Japan. Internationale Hotels und bekannte Persönlichkeiten zählten zu seinen Kunden. Jim Thompson war in Bangkok eine Berühmtheit und machte die Thai-Seide weltweit bekannt.

Kunst und Antiquitäten

Skulptur im Garten

Jim Thompson war ein passionierter Liebhaber und Sammler asiatischer Kunst und Antiquitäten. Auf seinen privaten und geschäftlichen Reisen durch Südostasien fand er immer wieder neue Kunstschätze. Seine Sammlung von seltenen chinesischen Porzellanen und Keramiken, von chinesischen und thailändischen Möbeln und Kronleuchtern aus dem 18. und 19. Jahrhunderts, von Khmer-Artefakten, Schnitzereien, Skulpturen und Buddha-Figuren und von Stoffen und Gemälden nahm viel Platz in Anspruch.

So ließ er auf einem Grundstück am Saen Saep Kanal (Khlong San Sap) in Bangkok eine Wohnanlage, bestehend aus 6 Teakholzhäusern, errichten. Diese teils über 200 Jahre alten traditionellen thailändischen Holzhäuser hatte er an verschiedenen Orten, einige sogar in Ayutthaya, abtragen und hier neu gruppieren lassen. Die Dachschindeln wurden in Ayutthaya gebrannt, die rote Außenfarbe ist ein Konservierungsmittel. Im Frühjahr 1959, an einem Tag, den Astrologen zuvor als günstig ermittelt hatten, zog Jim Thompson in sein neues Heim, das heutige Jim Thompson Museum.

Jim Thompson House in Bangkok

Das mysteriöse Verschwinden von Jim Thompson

1967 verbrachte der damals 61-jährige Jim Thompson die Ostertage bei Bekannten in den Cameron Highlands in Malaysia. Am Ostersonntag, dem 26. März, brach er vor dem Abendessen zu einem Spaziergang auf, von dem er nie zurückkehrte. Aufwändige Suchaktionen von Polizei und Militär blieben erfolglos. Zu seiner Geheimdienstzeit hatte Jim Thompson erfolgreich ein Überlebenstraining absolviert, was allzu naheliegende Erklärungen für sein Verschwinden wohl ausschließt. Zudem wurden bis heute keine Kleidungsstücke oder Knochenreste von ihm gefunden. Der Fall wurde also nie aufgeklärt. Jim Thompson bleibt spurlos im Dschungel Malaysias verschwunden. Sein schönes Domizil konnte er nur acht Jahre genießen.

Jim Thompson Museum

Das Haus von Jim Thompson

1976, knapp zehn Jahre nach dem spurlosen Verschwinden von Jim Thompson, wurde die »James H. W. Thompson Foundation« gegründet, die sein Erbe verwaltet. Sein Anwesen wurde der Stiftung als Museum übertragen und ist heute eine beliebte Sehenswürdigkeit in Bangkok. Das Museum ist unter dem Namen »Jim Thompson House« bekannt. Es ist in jedem Fall einen Besuch wert. Die meisten Touristen, die man hier antrifft, waren schon wiederholt in Bangkok. Sie haben die Top-Sehenswürdigkeiten von Bangkok, etwa Wat Phra Kaeo, Wat Pho und Wat Arun längst besichtigt. So geht es hier deutlich ruhiger zu.

In dem Komplex kannst du die heute etwa 250 Jahre alten, traditionellen thailändischen Teakholzhäuser besichtigen, in denen auch Teile der umfangreichen Kunstsammlung von Jim Thompson, die er im Laufe seines Lebens auf zahlreichen Asienreisen zusammengetragen hat, ausgestellt sind. Du erfährst bei der Besichtigung des Jim Thompson Hauses viel über die Geschichte des geheimnisvollen Verschwindens seines Gründers und wirst entführt in eine Welt von Seide, asiatischer Kultur und Kunstgeschichte. Im Haupthaus zu fotografieren ist leider nicht gestattet. Sehr schön sind auch die schattenspendenden Dschungelgärten auf dem Anwesen. Der ganze Ort ist eine Oase der Ruhe voller Kunst und Tradition zwischen Wolkenkratzern, knatternden Kanalbooten und Straßenlärm.

Restaurant und Verkaufsraum (The Jim Thompson Art Center)

Das Restaurant

Auf der Anlage befindet sich ein kleines Restaurant, in dem du dich stärken kannst. Angeboten werden hauptsächlich thailändische Gerichte zu noch vertretbaren Preisen. Du kannst dir aber auch einfach nur einen frischen Saft bestellen, die Ruhe und das schöne Ambiente mit viel Grün genießen. Wasser plätschert in einen Teich mit farbenfrohen Fischen.

Neben dem Restaurant gibt es noch einen Ausstellungs- und Verkaufsraum. Das Unternehmen von Jim Thompson produziert und verkauft auch heute noch Seide und Fashion. Der Jim Thompson Main Store befindet sich unweit des Lumphini Park, etwa gegenüber dem Universitätsklinikum in der Surawong Road.

Lage und Anfahrt

Das Jim Thompson House liegt in der Soi Kasemsan, an dem oben erwähnten Saen Saep Kanal in Pathum Wan, dem Herzen Bangkoks.

Anfahrt mit dem BTS

Du kannst das Museum schnell und kostengünstig mit dem Skytrain erreichen. Von der Haltestelle »National Stadion« aus ist der Weg gut ausgeschildert. Orientieren kannst du dich am MBK Center. Die Soi Kasemsan befindet sich schräg gegenüber des MBK.

Anfahrt mit dem Kanalboot

Der Saen Saep Kanal verläuft parallel zu Rama I und Phloen Chit Road. Du kannst mit dem Kanalboot bis zu dem Anleger »Baan Krua Nua« fahren. Von dort aus ist es ein kurzer Spaziergang bis zum Jim Thompson Museum.

Eintritt und Öffnungszeiten

Seidenraupenkokons
  • Ein Besuch ist nur in Kombination mit einer Führung für 150 Baht (100 Baht ermäßigt) möglich. Die Führung ist aber kurzweilig und empfehlenswert. Nach der Führung kannst du die Gärten und Teile der Häuser noch auf eigene Faust erkunden.
  • Öffnungszeiten: 9-18 Uhr

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Nähe (nur wenige Minuten zu Fuß)

  • MBK Center
  • Bangkok Art and Culture Centre (Kunstgallerie)
  • Siam Center und Siam Paragon (luxuriöse Einkaufszentren)
  • Central World (Einkaufszentrum mit Jim Thompson Store)
  • Erawan Schrein

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